Nur Sparen reicht nicht.
In meinem letzten Beitrag ging es um den Haushalt der Gemeinde. Die Botschaft war klar: Großheide kann keine großen Sprünge machen. Wir müssen ehrlich rechnen, klarer priorisieren und unsere Ausgaben stärker auf den Prüfstand stellen.
Aber Sparen allein löst unsere Probleme nicht.
Wenn wir Großheide finanziell stärken wollen, müssen wir nicht nur über Ausgaben reden. Wir müssen auch über Einnahmen, Betriebe und Standortqualität reden.
Und damit sind wir beim Gewerbegebiet Westermoordorf.
Die Planungen dafür laufen seit mindestens sieben Jahren. Und immer noch wächst Gras, wo eigentlich neue Betriebe entstehen sollen. Ich weiß: Solche Planungen sind kompliziert. Als Gemeinde ist man auf den Landkreis, Fachplaner, Genehmigungen und viele Abstimmungen angewiesen. Es soll auch kein Bashing sein, keine Vorwürfe an irgendwen. Aber trotzdem denke ich: Hier lassen wir Chancen liegen. Wir brauchen bei solchen Projekten klare Meilensteine und müssen ganz eng dran bleiben.
Denn alle wollen Arbeitsplätze in der Gemeinde. Wir brauchen Gewerbesteuereinnahmen und unsere Betriebe brauchen Raum, um sich weiterentwickeln zu können.
Wenn das Gewerbegebiet endlich soweit ist, müssen wir auch darüber reden, wie die Flächen vergeben werden.
Einfach nur „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ muss nicht automatisch der beste Weg sein. Man könnte auch Kriterien festlegen: Ist es ein Großheider Unternehmen? Wie viele Arbeitsplätze entstehen? Welche Einnahmen sind zu erwarten? Passt der Betrieb zu dem, was wir für Großheide wollen?
So eine Vergabe muss transparent, fair und rechtlich sauber sein. Aber wir sollten darüber sprechen.
Genauso wichtig sind unsere bestehenden Betriebe. Wirtschaftsförderung heißt für mich nicht, einmal im Jahr nett über Unternehmen zu reden. Wirtschaftsförderung heißt: im Gespräch bleiben, Probleme früh erkennen, präsenter Ansprechpartner sein und schauen, wo die Gemeinde helfen kann.
Und dann kommt ein Punkt, der für mich überhaupt nicht zusammenpasst:
Wir reden über Standortqualität, aber bei Glasfaser und Mobilfunk haben wir in Großheide noch immer Lücken.
Digitale Infrastruktur ist heute kein Neuland mehr. Sie ist Grundlage.
Der Breitbandausbau im Landkreis Aurich läuft seit Jahren. Trotzdem sind laut öffentlicher Bauverlaufsplanung des Landkreises in Großheide immer noch mehr als 100 Glasfaseranschlüsse nicht als online markiert. Das ist schwer nachzuvollziehen.
Natürlich ist der Landkreis hier ein wichtiger Akteur. Aber als Gemeinde dürfen wir trotzdem nicht einfach abwarten. Wir müssen nachhaken, Druck machen und dafür sorgen, dass offene Punkte nicht liegen bleiben. Denn schnelles Internet ist nicht nur für Firmen wichtig.
Es geht um Homeoffice, digitale Schule, Online-Termine, Vereine, Landwirtschaft, Handwerk, Pflege, Kartenzahlung, Cloud-Anwendungen, Fernwartung und den ganz normalen Alltag zu Hause.
Und für ein neues Gewerbegebiet ist Glasfaser erst recht eine Grundvoraussetzung.
Keine Firma siedelt sich gerne dort an, wo die digitale Infrastruktur nicht verlässlich geklärt ist. Ein modernes Gewerbegebiet braucht vom ersten Tag an funktionierende Anschlüsse. Nicht irgendwann. Vom ersten Tag an.
Beim Mobilfunk ist es ähnlich.
Auch da gibt es in unserer Gemeinde Bereiche, in denen die Versorgung nicht zu dem passt, was man heute erwarten darf. Das betrifft private Nutzer genauso wie Betriebe, Handwerker, Landwirtschaft, Vereine und Menschen, die unterwegs erreichbar sein müssen.
Arle und Westerende, aber vor allem Westermoordorf und Berumerfehn viele, sind nach wie vor problematisch, was den Empfang angeht.
Wer mal mit dem Smartphone beim Fehngrill war, weiss was gemeint ist.
Wenn wir dort ein Gewerbegebiet entwickeln, muss auch die mobile Erreichbarkeit von Anfang an mitgedacht werden. Ein Gewerbegebiet in einem Funkloch passt nicht in die Zeit.
Und ganz ehrlich: Digitale Infrastruktur ist doch die Basis für so vieles. Wie wollen wir denn junge Ärzte für uns begeistern, wenn sie in einem Funkloch wohnen sollen? Eine moderne, lebenswerte Gemeinde braucht gute Netze.
Ich habe fast 20 Jahre bei der Deutschen Telekom gearbeitet. Ich kann nicht versprechen, dass morgen jeder Mast steht und jeder Anschluss läuft.
Aber ich kann versprechen:
Ich lasse dieses Thema nicht einfach laufen.
Ich werde weiter nachhaken, Ansprechpartner zusammenbringen und meine Erfahrung und Telekom-Kontakte nutzen, damit Großheide bei Glasfaser und Mobilfunk besser vorankommt.
Denn Großheide braucht mehr finanziellen Spielraum. Dafür brauchen wir Betriebe, Einnahmen, gute Netze und eine Gemeinde, die mit Standortqualität punkten kann.
Nur sparen reicht nicht.